Jugendhilfe | Chronik |
Unsere Geschichte

Vor kurzem hat die Stiftung mit einer Festwoche ihr 550-jähriges Jubiläum gefeiert. Dies ist für uns Anlass, Sie im Folgenden über die Entwicklung der Kinder- und Jugendhilfe der Stiftung durch einen geschichtlichen Rückblick im Zeitrafferstil zu informieren. Nur markante Ereignisse, Einschnitte und Veränderungen werden benannt.

  • 1455
    Gründung des Hospitals durch die Stiftung von Johann und Tryne von Oppenheim, die der Kirche und der Stadt St. Wendel ihr gesamtes Eigentum als Spital und Herberge für arme und elende Leute vermachten.


  • bis 1800
    Das „Bürgerspital“ gewährte den Armen den Winterbrand, sorgte für ärztliche Hilfe und freie Arznei, bezahlte Kost- und Schulgeld und Lehrmittel für Waisenkinder und ließ sie in einem Handwerk ausbilden.


  • 1818
    Neubau des Pfründnerhauses, das die Wohnsituation in der Stadt und die geschlossenen Armenpflege wesentlich verbesserte.


  • 1852
    Mit der Verpflichtung der Kongregation der Borromäerinnen zur Verwaltung des Hospitals begann eine neue Ära. Neben der bisherigen Unterstützung und Pflege armer Leute übertrug ihnen die Stadt auch die Verpflegung und Erziehung verwahrloster Kinder. Das Hospital wurde damit zu einer Erziehungsanstalt, in der Folgezeit auch „Waisenhaus“ genannt.


  • 1882
    Bau des Knabenhauses als Folge der verstärkten Unterbringung von Kindern durch die Regierung der Rheinprovinz. Die Zahl der Kinder war auf 100 angewachsen.


  • 1906
    Bau des Mädchenhauses als Folge weiterer verstärkter Belegung durch die Regierung der Rheinprovinz.


  • 1907
    Genehmigung der Übernahme der Pflege und Leitung einer Waisenanstalt für katholische Kinder und einer Fürsorgeanstalt für sittlich gefährdete Kinder katholischer Konfession durch den preußischen Minister des Inneren.


  • 1912
    Nach dem Bau des Kindergartens und des Mariensaales wurde die seit 1875 bestehende Kinderbewahrschule der Stadt übernommen.


  • 1914 – 1918
    Umwandlung des Mädchenhauses in ein Lazarett
    nur noch Aufnahme von Kindern aus dem Saargebiet
    Zusammenfassung von jungen Menschen in Familiengruppen
    Unterbringung der schulentlassenen Jungen im Handwerk und Einrichtung eines Hauswirtschaftskurses für schulentlassene Mädchen


  • 1939
    Evakuierung der Kinder am 30. August nach Schloss Dern bei Limburg an der Lahn, da das Hospital zum Westraumkrankenhaus erklärt wurde.


  • Sommer 1940
    Rückkehr der Kinder ins Hospital


  • Kriegsende
    Ausbruch von Typhus in St. Wendel und Umgebung
    Umfunktionierung des Mädchenhauses als Isolierbau für die Typhuskranken


  • 1952
    Einweihung des Kleinkinderhauses


  • 1958
    Bau der Hospitalschule für 8 Klassen, um die Zersplitterung der Schule in verschiedene Gebäude zu beseitigen.


  • 1960
    240 Kinder leben im Hospital


  • 1962
    Umbau der Gemeinschaftsschlafsäle im Knaben- und Mädchenhaus zu Zimmern für 4 Bewohner und Einrichtung kleinerer Gruppen zu je 14 Kindern, die mit einer fachlich ausgebildeten Gruppenleiterin, unterstützt von Erziehungshelfern, in abgeschlossenen Wohneinheiten lebten.
    Es war der erste Schritt, sich von einer Anstalt mit Aufbewahrungscharakter zu einer pädagogischen Institution mit besser qualifiziertem Personal zu entwickeln.


  • 1965
    Durch Regierungserlass wird die Hospitalschule zur Staatlichen Sonderschule erklärt, das Land damit Träger aller Sachkosten.


  • 1972
    Wegen Nachwuchsmangels im Orden Weggang der letzten Schwestern und Übertragung ihrer Aufgaben und Funktionen auf zivile Kräfte


  • 1972 – 1980
    Völlige Neustrukturierung des Kinderheimes unter neuer Leitung, um ein zeitgemäßes pädagogisches Gesamtkonzept umzusetzen. Damit wurde der Grundstein für die Entwicklung zu einer modernen Jugendhilfeeinrichtung gelegt. Die wichtigsten Neuerungen dieser Phase waren:

    Reduzierung der Gruppengröße auf zwölf Kinder bei zunächst drei, später vier Erziehern

    Auf- und Ausbau eines Fachdienstes, der sich aus Berufsbereichen wie Diplom-Psychologen, Freizeitpädagogen, Nachhilfelehrer und Außendienstmitarbeitern zusammensetzte,

    Modernisierung des Erziehungskonzeptes mit dem Schlagwort „Öffnung nach außen“,

    Installierung von Sondergruppen, u. a. als Möglichkeit für schulentlassene Jugendliche, im Heim zu bleiben und in St. Wendel und Umgebung einer Berufsausbildung oder Berufstätigkeit nachzugehen

    Nachbetreuung von entlassenen Jugendlichen,

    2 Wohngruppen ziehen Ende der 70er Jahre aus den Räumlichkeiten des Hospitals in Zweifamilienhäusern in Niederkirchen und Remmesweiler um.


  • 1980 –1990
    Weitere erhebliche qualitative und strukturelle Veränderungen führen zu deutlichen Verbesserungen der institutionellen Rahmenbedingungen. Der Prozess ist geprägt von den Merkmalen Dezentralisierung, Professionalisierung und Differenzierung:

    Mit der Dezentralisierung, der weiteren Auslagerung von Wohngruppen in und um St. Wendel und ihrer Unterbringung in Zweifamilienhäuser wurden kleine überschaubare Wohneinheiten geschaffen, die eine stärkere Integration in die gemeindliche Struktur und zugleich eine weitere Annäherung an eine familiäre Lebensform ermöglichen sollten. Gleichzeitig wurde die bisherige Zentralversorgung zugunsten von Eigenständigkeit und Selbstverantwortung abgebaut und eine realitätsnahe Erziehung zu Selbständigkeit durch die Integration alltäglicher Verrichtungen in pädagogische Prozesse ermöglicht.
    Als Professionalisierungsbemühungen können u. a. genannt werden:

    Verstärkte Einstellung von SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen im Gruppendienst,

    die Einführung des „Gruppenberatersystems“ mit der Aufgabe, die fachliche Handlungskompetenz der MitarbeiterInnen zu stabilisieren und zu verbessern und die pädagogische Qualität in den Gruppen zu optimieren.

    Elternarbeit wird jetzt als ein planmäßiges zielgerichtetes Handeln zur Klärung der Beziehungsstruktur, zum Aufbau einer vertrauensvollen Atmosphäre und zur Klärung der Verantwortlichkeiten verstanden und gemeinsam von Beratungskraft und pädagogischem Mitarbeiter wahrgenommen.

    Die Differenzierung der Konzepte, die Installierung sehr unterschiedlicher Hilfen, war ein herausragendes Merkmal der 80er Jahre. Den individuell stark unterschiedlichen Anforderungen an Halt und Orientierung für junge Menschen und ihre Familien konnte besser durch eine Erweiterung um teilstationäre und ambulante Hilfen Rechnung getragen werden. Die bedeutendsten Entwicklungen waren:


  • 1981
    Eröffnung von 2 Tagesgruppen – 3 weitere Tagesgruppen entstehen bis Ende der 80er Jahre in Neunkirchen und Wiebelskirchen


  • 1982
    Eröffnung der Jugendschutzstelle mit 6 Plätzen und 5 Fachkräften zum Zweck der Inobhutnahme von jungen Menschen und im Rahmen einer vorläufigen Hilfeleistung


  • 1987
    Eröffnung des ersten „Heilpädagogischen Pflegenestes“, als besondere Betreuungsform angesiedelt zwischen Pflegefamilie und Heimerziehung


  • 1987
    Eröffnung einer intensivbetreuten Wohngruppe in St. Wendel, die „Jugendvilla“, ein Angebot für 5 sehr schwierige Jugendliche ohne Zukunfts- und Lebensperspektive. Diese Hilfe wurde von uns als Alternative zur geschlossenen Unterbringung verstanden (Schließung wegen Auslastungsproblemen 1992).


  • 1990 - 2000
    In den 90er Jahren werden bei veränderter Leitungsstruktur (Teamleitung) neue Angebote im stationären Bereich installiert, die teilstationären Hilfen auf vier Landkreise ausgeweitet, berufliche Angebote initiiert und vor allem ambulante Hilfen für Familien geschaffen. Markante Entwicklungen waren:


  • 1994
    Ende des Dezentralisierungsprozesses mit dem Umzug der Wohngruppe „Regina“ nach Niederlinxweiler

    Eröffnung einer Fünf-Tage-Wohngruppe in einem Zweifamilienhaus in Freisen mit intensiver, systemisch orientierter Elternarbeit

    Installierung von Jugendwohngemeinschaften in Alsweiler, Oberthal und Ottweiler für ältere Jugendliche als Hilfen zur selbständigen Lebensführung


  • 1995
    Eröffnung der „Intensivbetreuung in Kleinsteinheiten“ als Angebot für junge Menschen mit äußerst geringer Anpassungsbereitschaft an gesellschaftliche Normen und massiven Verhaltensauffälligkeiten.

    Umstrukturierung der Jugendschutzstelle in dezentral organisierte Inobhutnahmestellen in St. Wendel, Niederbexbach und Scheidt.

    Eröffnung des Mutter-Kind-Hauses für jugendliche Schwangere und junge Mütter, die Hilfen zur Entwicklung einer Zukunftsperspektive, Anleitung bei Säuglingspflege und Kindererziehung etc. erhalten
    Ausweitung des Systems der „Professionellen Erziehungsstellen“


  • 1996
    Das „Familienaktivierungsmanagement - FAM“, ein 6-wöchiges Kriseninterventionskonzept zur Familienerhaltung und zur Vermeidung von Fremdunterbringung wird durch die Bundesregierung und die saarländische Landesregierung im Rahmen eines Modellprojektes für 3 Jahre gefördert.
     Im Rahmen der offenen Jugendarbeit wird im Dezember das Haus der Jugend als Treffpunkt und Anlaufstelle für Jugendliche aus der Stadt oder dem Landkreis mit Angebotsstrukturen eröffnet, die möglichst viele Bedürfnisse der Jugendlichen abdecken und vor allem randständige und ausländische junge Menschen integrieren sollen.


  • 1997
    Auf dem Methodenkontext von FAM wird das „Familienstabilisierungsprogramm (FSP)“ entwickelt, eine Hilfe für Familien, in denen über längere Zeit krisenhafte Bedingungen herrschen oder die ihre Fortschritte aus vorhergehenden Maßnahmen stabilisieren wollen.

    Gründung der GISA gGmbH (Gesellschaft für innovative Sozialarbeit) als Tochter der Stiftung und als eigenständiger Bereich mit der Aufgabenstellung, neue Konzepte im Sinne der Ressourcen-, Lösungs- und Lebensweltorientierung zu erarbeiten und als Fortbildungsinstitut zu fungieren.

    Sondierungsgespräche mit Jugendhilfeträgern, sich an der Umsetzung der Idee einer ganzheitlichen, sozialraumorientierten und budgetierten trägerübergreifenden Jugendhilfe zu beteiligen. – Beauftragung von GISA mit der Konzeptentwicklung für den Modellbezirk eines Teilbereiches der Innenstadt Neunkirchen.

    Offizielle Eröffnung der Suchtberatungsstelle „Knackpunkt“ im Rahmen einer Projektfinanzierung und Einzelvereinbarung mit dem Landkreis St. Wendel unter der Trägerschaft der Stiftung. Präventive, beratende und therapeutische Hilfen werden zielgruppengerecht und ortsnah im Landkreis angeboten, die Schulung von Eltern, Laien und Fachkräften und die Durchführung von Präventionsprojekten sind Teil der Aufgabenstellung.


  • 1998
    Installierung eines „Betreuungszentrums für Rauschmittel konsumierende junge Menschen“ auf dem Hospitalhof mit verschiedenen Intensitätsstufen. Alle Hilfen sind vernetzt und je nach persönlicher Entwicklung durchlässig und individuell gestaltet. (1999 Schließung wegen Auslastungsproblemen)


  • 1999
    Installierung einer Intensivwohngruppe auf dem Hospitalhof für 7 junge Menschen in besonders schwierigen Lebenslagen mit regelmäßiger Zielkontrolle und einem sport- und erlebnispädagogischen Handlungsansatz in enger Kooperation mit den saarländischen Kinder- und Jugendpsychiatrien.


  • 2000 bis heute
    Die ersten Jahre im neuen Jahrtausend sind turbulent, von Unsicherheiten und der Suche nach dem „richtigen“ Weg geprägt. Dennoch stehen die Professionalisierung der Arbeit, die Profilierung im Bereich familienaktivierender Elternarbeit und das Engagement in sozialraumorientierten, budgetierten Jugendhilfemodellen im Zentrum fachlichen Handelns. Als wesentlichste Ereignisse zu Beginn des neuen Jahrtausend können genannt werden:

    Höchste Anstrengungen in fachlicher, organisatorischer, struktureller und finanzieller Hinsicht muss die Stiftung bis heute bei ihrem Engagement in gleich zwei sozialraumorientierten budgetierten Jugendhilfemodellen in den Landkreisen Neunkirchen und St. Wendel auf sich nehmen. In beiden Modellen arbeitet die Stiftung innerhalb eines Trägerverbundes an dem Ziel, die Jugendhilfe im Sinne der sozialraumorientierten Hilfen neu zu organisieren und ein flexibles Hilfenetzwerk aufzubauen.


  • 2002
    Rückkehr zur Gesamtleitungsstruktur und Auflösung von GISA als gGmbH – Weiterführung mit ähnlichem Aufgabenprofil wie zuvor bei gleichzeitig struktureller Anbindung an die Jugendhilfe. GISA wird der Jugendhilfeleitung unterstellt.

    Starker Ausbau im Bereich der familienaktivierenden Hilfen durch Schaffung neuer Angebote wie „FLEX“ und „Clearing“, Angebote mit klarer Methodenstruktur, ausgeprägtem Controllingverfahren, vierwöchiger Zielkontrolle und individueller Orientierung der Betreuungszeiten am Hilfebedarf der Familien.

    Konsequente Weiterverfolgung der Profilierung im Bereich familienaktivierender Elternarbeit durch Qualifizierung des gesamten Personals im stationären und teilstationären Bereich. Eine fundierte familienaktivierende Zusatzqualifikation und die fallsupervisorische Unterstützung und Begleitung der Fachkräfte durch ProjektleiterInnen sind markante Entwicklungen dieser Phase.


  • 2003
    Eröffnung der „Familienaktivierenden Fünf-Tage-Wohngruppe Hospitalhof“ mit den Schwerpunkten intensive Elternarbeit, schulische Förderung und schnellstmögliche Rückführung des jungen Menschen in sein Herkunftssystem. Die Hilfe beinhaltet auch Krisenintervention während der Schließungszeiten und Rufbereitschaftsdienste am Wochenende und in den Ferien und trägt somit der Kritik an den traditionellen Fünf-Tage-Wohngruppen Rechnung.


  • 2005
    Umzug des Mutter-Kind-Projektes in ein neu erworbenes geräumigeres Haus in St. Wendel und feierliche Eröffnung dieses Mutter-Kind-Hauses im Rahmen der Festwoche anlässlich des 550-jährigen Jubiläums der Stiftung.

    Umzug der Mädchenwohngruppe am 27.10.2005 in die neugestalteten Räume des ehemaligen Mutter-Kind-Haus der Stiftung in der Marienstraße 11 in St. Wendel .
     
    Regionalzentrum in Landsweiler-Reden
    Zum 01.11.2005 hat die Stiftung im Rahmen der sozialraumorientierten Hilfen im Landkreis Neunkirchen ein geräumiges Haus in Landsweiler-Reden, Kirchenstraße 3 angemietet.
    Die Fachkräfte der Stiftung Hospital bieten von diesem Regionalzentrum aus gemäß den Leitideen der Sozialraumorientierten Jugendhilfe im Landkreis Neunkirchen alle notwendigen ambulanten Hilfen in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachkräften des Kreisjugendamtes an.
    Seit dem 16.11.2005 ist in diesem Haus die "Betreuung am Tag" installiert. Junge Menschen erhalten hier unter themen-, handlungs- und erlebnisorientierten Ansätzen und unter starker Einbeziehung ihrer Lebenswelt passgenaue Hilfen in Gruppenform.

  • 2006

    Im Rahmen der Sozialraumorientierten Jugendhilfe im Landkreis Neunkirchen Umwandlung von insgesamt 26 Tagesgruppenplätzen der Stiftung in passgenaue Hilfen in Gruppenform: Ausbau der "Betreuung am Tag" und Installierung einer 2. Gruppe.

    Im Rahmen der Sozialraumorientierten Jugendhilfe im Landkreis St. Wendel Eröffnung von Familienberatungszentren in der Kreisstadt St. Wendel (Nord) und den Gemeinden Tholey, Oberthal, Namborn und Marpingen.

    Übernahme der Trägerschaft für das Jugendzentrum in Ottweiler in enger Kooperation mit der Stadt Ottweiler und dem Landkreis Neunkirchen und offiziele Eröffnung des Jugendtreffs am 31.10.2006.

    17.11.2006: Feier zum 10jährigen Bestehen des "Hauses der Jugend" in St. Wendel

    22.11.2006: Feier "20 Jahre Tagesgruppe Lebach"

    13.12.2006: Fachtagung "Totgesagte leben länger" im Rahmen der Feier "25 Jahre Tagesgruppenarbeit der Stiftung"